Reisetrends: Italien-Boom

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Reisetrends: Italien-Boom

Italien-Boom

Nach dem 2. Weltkrieg entdeckten die Deutschen das Sehnsuchtsland Italien als Reiseziel wieder. Anders als Goethe, der den Brenner noch mit der Kutsche überqueren musste, standen den Menschen mittlerweile Züge und Autos als Fortbewegungsmittel zu Verfügung. Das Wirtschaftswunder der 50er Jahre, der schnelle Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes und der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland nach der Währungsreform von 1948, bildeten die wichtigsten Voraussetzungen für Reisen ins Ausland. Wer in den Genuss eines steigenden Wohlstands kam, für den hieß es ab in den Süden. „Komm ein bisschen mit nach Italien, komm ein bisschen mit ans blaue Meer...“ schallt es ab 1955 aus vielen bundesdeutschen Radios. Schlager wie „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“ oder „rote Rosen, rote Lippen, roter Wein und Italiens blaues Meer“ waren landesweit bekannt und prägten das Italienimage nachhaltig. Zwar waren es Anfang der 50er nur Wenige, die sich einen Urlaub mit dem Auto an der Adriaküste leisten konnten, aber der Italientrend stieg in den Boom-Jahren nach dem Krieg stetig an.

Allerdings fährt man – anders als Goethe - nicht in das „Land in dem die Zitronen blühen“, um sich anhand der kulturellen Hinterlassenschaften weiterzubilden, Freizeit und die Erholung am Strand stehen in den Nachkriegsjahren eindeutig im Vordergrund. Das fremde Land, seine Eigenart, seine Kultur werden vielfach nur als Kulisse genommen, Entspannung, Sonne und Meer sind wichtiger als Museums- und Kathedralenbesichtigung. Das verklärte Italienimage vom „Dolce far Niente“ am immer sonnigen Strand und nie enden wollenden Sommern war geboren. Besonders die Badeorte Jesolo, Rimini, Riccione und Cattolica rüsteten immer weiter auf, so dass die Gegend bis 1969 zum größten Ferienrevier in Europa avancierte. Mit einer Kapazität von etwa einer Million Betten, verwandelten sich die Adria-Strände - bald Teutonengrill getauft – in den Sommermonaten in deutsches Hoheitsgebiet.