Reisetrends der letzten 50 Jahre
Reisetrends der letzten Jahrzehnte
Reisen ist keine neue Erfindung. Seit Menschengedenken sind Reisende zu Fuß, mit dem Schiff, oder zu Pferd unterwegs. Doch die Form der Reisens, wie wir sie kennen, meist als Synonym für Tourismus gebraucht, gibt es noch gar nicht so lange. Die Geschichte des Reisens umfasst rund 600 Jahre, bis mit dem Aufkommen des modernen Massentourismus ein neues Zeitalter anbricht. Die Motive des Reisens haben sich ebenso geändert wie die Fortbewegungsmittel. Die ersten echten Reisen, ohne merkantile oder finanzielle Absichten, unternahmen die Pilger, die aus religiösen Gründen die beschwerlichen und gefahrvollen Wege zum heiligen Ort auf sich nahmen. Schon im alten Ägypten gab es Wallfahrten zu den Tempeln der Gottheiten.
In Europa hatten Pilgerreisen im Mittelalter ihren Höhepunkt, bis mit der Renaissance der weltliche Aspekt immer mehr Einzug hielt und somit eine neue Reisemotivation gefunden werden musste. Die war schnell ausfindig gemacht und hieß - begünstigt durch die Vorstellung der Aufklärung - Erziehung und Bildung. So entwickelte sich die so genannte „Grand Tour“, auf die im Besonderen jugendliche Adlige geschickt wurden. Ziel und Zweck dieser Kavaliersreisen war es, fremde Länder und Sitten kennen zu lernen, um ausreichend auf das bevorstehende berufliche Amt vorbereitet zu sein. Überwog auf der „Grand Tour“ noch der pragmatische Aspekt, wie Kontakte knüpfen oder die Sprachkenntnisse zu vervollkommnen, rückte vor allem in der Romantik das subjektive Erleben wie Atmosphäre, Stimmung und Gefühl als Wesensmerkmal der Reise in den Vordergrund. Das Fremde als romantischer Sehnsuchtraum war geboren! Vor allem Italien mit seinen kulturellen Schätzen, der Naturschönheiten und seinen Bewohnern avancierte zum Objekt der Begierde.
Goethes italienische Reise
Wie kein anderer hat Johann Wolfgang Goethes „Italienische Reise“ das Italienbild der Deutschen geprägt. Die Sehnsucht einmal Rom zu sehen, hatte Goethe schon als Jugendlicher befallen, die Umsetzung der Reise aber folgte erst 1786 im Alter von 37. Anders als die Bildungsreisen im 17. Jahrhundert, die zu den klassisch antiken Städten, Kunstschätzen und Denkmälern führten und der Wissenserweiterung und Weltkenntnis dienen sollten, kam bei Goethe der Aspekt der Selbstbildung und Selbsterfahrung hinzu. Waren auf den klassischen Bildungsreisen die obligatorischen Stationen Rom, Neapel, Pompeji, Vesuvio und Paestum mit den dazugehörigen Bauten und Kunstschätzen, so wurde für Goethe alles zum Gegenstand, an dem man das eigene Ich prüfen kann. Ein Bauwerk so gut wie eine Felsformation, ein Gemälde so gut wie eine Pflanze, eine Skulptur so gut wie ein am Weg liegender Stein. Eine modifizierte Bildungsreise also, die nicht bloß dem Kennen lernen historischer und künstlerischer Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem der Selbstbildung, der Kultivierung der Persönlichkeit des Reisenden dient.


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