Reisegeschichte: Inspiration Reise

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Reisegeschichte: Inspiration Reise

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen...

… drum nahm ich meinen Stock und Hut und tät das Reisen wählen, dichtete Matthias Claudius für Urians Reise um die Welt im 18. Jahrhundert. Das Motiv des Reisens inspirierte quer durch die Jahrhunderte Dichter und Denker zu Epen, Erzählungen und Gedichten. In der Tat ist die Verbindung einer inneren Entwicklung, -also der inneren Reise der Hauptfigur- mit den Erlebnissen auf ihrer realen Reise in der Außenwelt sehr reizvoll. Diesem Muster gehören viele der folgenden Werke an.

Eine der berühmtesten „Reiseerzählungen“ ist die Odyssee von Homer. Dieser antike Mythos erzählt die Irrfahrten des griechischen Königs und Feldherrn Odysseus nach, der bei der Eroberung Trojas die Götter verärgert. Aus Rache lassen sie ihn für zehn Jahre nicht zu seiner Frau Penelope zurückkehren. Die Abenteuer, die Odysseus auf seiner Reise durchstehen muss, werden in 24 Gesängen nacherzählt und haben stark märchenhafte Züge. Nach den Hindernissen, die Odysseus in Form von Zyklopen, Sirenen und anderen Ungeheuern auf dem Weg begegnen, spricht man heutzutage von einer Odyssee, wenn man eine Irrfahrt hinter sich hat.

Aus dem Mittelalter berichten die Canterbury Tales des Geoffrey Chaucer, der Pilger auf dem Weg zu einem Grabmal erzählen lässt. Die Pilgerreise liefert hier den Rahmen um unterschiedliche Erzählungen, die sich aber meist um Religion und die damalige Ständegesellschaft drehen, zu verknüpfen. Sowohl die Odyssee als auch die Canterbury Tales zählen zu den am häufigsten zitierten, bearbeiteten und verfilmten Werken der Literaturgeschichte. Ebenfalls sehr bekannt sind die Geschichten um Sindbad, den Seefahrer, aus Tausendundeiner Nacht. Auch sie gewannen durch zahlreiche Verfilmungen stark an Popularität. Im 19. Jahrhundert sind es dann die Werke von Jules Verne, die die Leser von Reisen ins Innere der Erde oder einmal rund um die Welt träumen lassen. Wie auch bei Gullivers Reisen von Jonathan Swift, entführt Jules Verne seine Leser teilweise in fantastische Welten oder doch zumindest an den Rand der Realität. Die Science-Fiction Literatur und mit ihr die Reise in ferne Galaxien ist geboren.

Reisen beflügelt die Fantasie

Nicht nur Dichter inspiriert das Reisen übrigens zu kreativen Höhenflügen; in Spanien meint man: je länger die Reise, desto länger die Lügen. Es scheint ein natürliches Bedürfnis des Menschen zu sein, die erlebten Heldentaten aus dem Urlaub noch etwas aus zu schmücken. Die Spinne im kolumbianischen Urwald wird dann gerne noch ein bisschen größer und giftiger, der Hubschrauberflug über den Gletscher noch etwas windgebeutelter und die Bergbezwingung noch anstrengender und gefährlicher. Viele laufen tatsächlich zur Höchstform auf, wenn es um die Schilderung ihrer Reisen geht. Zum Glück tritt hier bei den meisten gesellschaftlichen Gruppierungen ein unausgesprochener Konsens in Kraft, diese Übertreibungen zu tolerieren – beim nächsten Mal ist man eventuell selbst wieder der Erzähler. Jedenfalls zeigt sich hier die inspirierende Wirkung von Reisen und zwar nicht nur bei den anerkannten Dichtergenies.