Reisegeschichte: Bildungsreisen

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Reisegeschichte: Bildungsreisen

Bildungsreisen des Bürgertums

„Man reist nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen“ so Goethes vornehme Umschreibung des formelhaft gebrauchten Spruchs, dass der Weg das Ziel sei. Der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war es auch, der das Bildungsbürgertum des 18. und 19. Jahrhunderts auf den Geschmack des Reisens brachte. Getreu eines Ausspruchs des Philosophen Immanuel Kant, dass Reisen bilde, machte sich nun das Bürgertum daran, die Welt zu entdecken. Man tat es dem Adel gleich, der im 17. Jahrhundert noch das Monopol auf Reisen beansprucht hatte. Damals war es en vogue, die Jugend auf Grand Tour zu schicken. Mehrere Jahre lang waren junge Adlige so in ganz Europa unterwegs, um sich zu bilden, Sprachen zu lernen und um Menschenkenntnis zu entwickeln. Entlang ihrer Routen entstand bald eine Infrastruktur aus Übernachtungsmöglichkeiten und Gasthäusern. Goethe, der erst für seine Verdienste geadelt worden war und eigentlich dem Frankfurter Bürgertum entstammte, brach 1786 mitten in einer persönlichen Krise, zu seiner Italienischen Reise auf. Sein Buch über die Zeit legte wahrscheinlich den Grundstein für die bis heute anhaltende deutsche Italienbegeisterung. Italien wird hier als sinnliches und kunstsinniges Land beschrieben, ein Land, in dem die Ideale der Antike weiter bestehen und selbst Goethe wieder zu sich fand. Im schwärmerischen „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen“, das er Mignon in seinem Bildungsroman Wilhelm Meister, in den Mund legt, kam die Sehnsucht Goethes schon vor seiner Reise zum Ausdruck. Als Transportmittel auf seiner Italienreise diente ihm übrigens noch die äußerst unbequeme Postkutsche.

Die Romantik wandert

Anders traten die romantischen Dichter ans Reisen heran. In ihrer Verklärung von Natur und Mittelalter strebten sie eine Rückkehr zu den natürlichen Lebenswelten vergangener Zeiten an. Die äußeren Landschaften wurden als Spiegel der inneren Empfindungen gelesen und verklärt. Einen Anknüpfungspunkt stellte das Wandern dar. Seit dem Spätmittelalter machten sich Handwerker auf die Walz, begaben sich also auf Wanderschaft, um ihre Meisterprüfung machen zu können. Der Dichter Wilhelm Müller spielt darauf in seinem Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust an“. Doch gerade mit dem Wandern war auch eine politische Botschaft verbunden, nämlich die der Emanzipation des Bürgertums vom Adel. Im 19. Jahrhundert wurde das Wandern mehr und mehr institutionalisiert, Vereine entstanden, die Wanderwege anlegten und pflegten und sie für andere kartografierten. Wanderreisen und Bergtouren gehören heute noch zu den beliebtesten Urlauben.